Namibia

Im Mai 2000 hatte ich, mit meine ebenfalls amateurastronomisch interessierten Freunden vom Turtel Star Observatory, TSO, die Gelegenheit Namibia zu bereisen. Nachfolgender Reisebericht soll meine Erlebnisse und Eindrücke von dieser Reise wiedergeben.

Es begann am 15.Mai 2000 gegen 18:00 Uhr mit dem Abflug vom Düsseldorfer Flughafen Richtung München. Nach dortiger Zwischenlandung und 1 stündigem Aufenthalt flogen wir mit einem TUI Airbus weiter Richtung Windhoek/Namibia.. Nach fast 10 stündigem Flug und heftigen Turbulenzen über dem Äquator landeten wir im Morgengrauen in Windhoek. Der Himmel war wolkenlos und klar, die Lufttemperatur lag bei frischen 6 Grad Celsius. Nach Übernahme unseres Mietwagens fuhren wir in die Stadt um unsere Lebensmittelvorräte aufzustocken. Dank der hervorragenden Ortskenntnisse meiner Mitreisenden (es war Ihr siebter Besuch) konnten wir uns in der Klein Windhoeker Schlachterei mit Kudu Steak und Springbock Filet eindecken. An- schließend führte uns der Weg über ca. 20 km Asphaltpiste und, nach deren verlassen, über 5 km Schotterpiste zum Cuno Hoffmeister Gedächtnis Obser- vatorium, welches von Sonja Encke geführt wird. Da diese noch bis Mitte der

 Woche abwesend war erhielten wir von einem Bevollmächtigtem einen Schlüssel. Da sich meine Mitreisenden Karolin, Andreas und Axel hier schon bestens auskannten war das Einquartieren schnell geschehen. Nach einem ersten Rundgang holten wir den in der letzten Nacht versäumten Schlaf in einer Mittagsruhe nach.

Die Cuno Hoffmeister Gedächtnis Sternwarte wird als Privatsternwarte von Sonja Encke in einem eigens hierfür gebauten Gebäude geführt. Als Hauptinstument steht ein Celestron 14 auf einer Deutschen Sideres85 Montierung, sowie weitere kleinere Geräte zur Verfügung. Ein öffnen der ca. 4 x 6 Meter großen Beobachtungsplattform in ca. 5 Meter Höhe über dem Gelände gibt einen großartigen Blick auf die nur vereinzelt mit Buschwerk bewachsenen Hügellandschaft um das Sternwartengelände frei.

Mit einsetzten der Dämmerung haben wir uns auf das Abendessen vorbereitet. Hierzu wurde das mitgebrachte Fleisch auf einem Holzkohlengrill zubereitet. Ich muss sagen, so zartes, mageres und leicht bekömmliches Fleisch habe ich noch nie gegessen. Sehr Gut! Ungeduldig habe ich nach Untergang der Sonne mit Andreas das Schiebedach der Sternwarte geöffnet um trotz Vollmond einen ersten Blich auf den mir völlig unbekannten Südhimmel zu werfen. Die Grenzgröße lag bei geschätzten 5,0 mag, also in etwa genauso wie an meinem heimisch Beobachtungsplatz gegen Neumond. Sofort vielen mir einige verwaschene Flecken im schwach erkennbaren Milchstraßenband auf. Im 8x30 Feldstecher ließen Sie sich zwar auffinden, nicht aber auflösen. Im C14 bei etwa 100 facher Vergrößerung zeigte Omega Centauri bereits was Ihn berühmt gemacht hat. Okularfüllend bis zum Zentrum in Sterne aufgelöst. Toll und das bei Vollmond. Als nächstes Eta Carine mit UHC Filter, ebenfalls beeindruckend. Anschließend noch ein paar offene Sternhaufen sowie den Eskimonebel, als Vergleich zu unseren heimischen Bedingungen. Damit war der erste Tag in Namibia für mich zu Ende gegangen.

Nach den Frühstück sind Axel und ich zum Fotografieren nach Windhoek gefahren. Die Deutsche Vergangenheit ist überall gegenwärtig. Bei einer Führung vor 6!!! Teilnehmern wurde uns mitgeteilt das die weiße Bevölkerung weniger als 10 % Anteil an der Gesamtbevölkerung Namibias hat. Trotzdem hat man über weite Strecken den Eindruck in Deutschland zu sein. Die Straßen haben noch sehr oft Deutsche Namen und Volkswagen ist die vorherrschende Automarke. Von den alten Kolonialgebäude fallen die meisten nicht mehr auf, da nach der Namibianischen Unabhängigkeit eine Reihe neue und zum Teil recht futuristische Gebäude ent- standen sind. Ich denke eine ordentliche Stadtplanung würde Windhoek gut tun.

Beim Geldtauschen ist mir das Sicher- heitsbedürfniss der Namibier (wahr- scheinlich hauptsächlich der Weißen) ganz besonders aufgefallen. Eine Bank kann nur durch eine zweitürige Sicherheitsschleuse einzeln betreten werden. Beim Bargeldumtausch muss der Pass vorgelegt werden. Hiervon wird auch sogleich eine Kopie angefertigt und mir irgendeiner Dienststelle heftig telefoniert. Vor Auszahlung wird ein Formblatt mit 8, in Worten acht, Stempeln versehen, welche einzeln nochmals angezeichnet werden. erst dann gibt es Geld.  Ein Besuch in Nationalmuseum, welches im alten deutschen Gouverneurssitz untergebracht ist , zeigt das die Namibier noch keine eigene dokumentierte Geschichte haben. Es wird zwanghaft etwas gesucht was ausgestellt werden kann. So findet man Bilder von Freundschaftsspielen mit der Deutschen Fußball- nationalmannschaft (mit Karl Heinz Rummenigge), Sektgläser aus denen bei der Unabhängigkeitserklärung getrunken wurde und Uniformen der UN-Truppen, die die erste Wahl überwacht haben.

Nach diesem Rundgang ging es wieder zu unserer Unterkunft wo wir die Geräte für erste Sternfotos vorbereiten wollten. Nach Diskussionen über die Stabilität der einen oder anderen Kombination entschieden wir uns für das C14 mit aufgesatteltem 4” Fluoritrefraktor. Nach dem Abendessen ging es los. Pünktlich mit Sonnenuntergang kam auf der entgegengesetzten Seite der Vollmond hoch. Deutlich war der Erdschatten am Horizont zu erkennen. Bei uns konnte ich so etwas noch nie beobachten. Nach dem Dunkelwerden (soweit man von Dunkelwerden sprechen kann, es herrschte der Vollmond am Himmel) haben wir M46 (Schmuckkästchen) neben dem Kreuz des Südens sowie Omega Centauri und Eta Carine mit je 30min auf Superia 800 aufge- nommen, -Handnachgeführt-, Jetzt weis ich wofür eine ST4 gut ist.

Am nächsten Morgen ging unsere geplante Rundreise durch den Norden Namibias los. Wir ver- ließen Windhoek auf der B1 Richtung Norden. Nach einer Stunde Fahrzeit wurde die Landschaft merklich einsamer. Weite absolut flache Savannenflächen wurden nur durch vereinzelte Berge, die wie Pyramiden aus der Steppe herausragten, unterbrochen. Die Regenfälle im Dez.1999 hatten zu einem extrem starken Gräserwachstum geführt. Aus diesem Grasmeer, welches mit mehr oder weniger dornenbewährten Büschen und Bäumen durchsetzt war, ragten bis zu 2,5 Meter hohe Termitenhügel heraus. Viele Bäume sind mit Nestern von Webervögeln durchsetzt. Auf halber Strecke zu unserem Tagesziel Waterberg besuchten wir einen Markt für einheimische Schnitzereierzeugnisse, teilweise sehr schöne Sachen. Nach einer Mahlzeit aus unserer Kühltasche fuhren wir stundenlang auf der, wie mit dem Lineal gezogen, B1 Richtung Norden, Richtung Waterberg. Als dieser sich am frühen Nachmittag aus der Ebene erhob bot sich uns ein grandioses Bild. Wir fuhren auf einen ca. 300 Meter hohen, absolut planen Tafelberg zu, der völlig freistehend in einer schier endlos erscheinenden Savanne stand. Von der Hauptstrasse ging ein “Pad” zu unserem Nachtquartier ab. Nach ca. 5 km erreichten wir das staatliche Restcamp Waterberg, welches an den Hang der Steilwand angelehnt war. Aus der Steilwand des Berges hörten wir die Pavianrudel rufen. Weitere bekannte aber hauptsächlich unbekannte Tierrufe drangen in den von uns bezogene Bungalow ein und ließen uns den Tierreichtum erahnen. Ein Interessanter Ort!. Nach einem Grillabend gingen wir früh ins Bett um am Nächten morgen dem Waterberg bei Sonnenaufgang zu erleben.

Jener nächste Morgen war ein Freitag. Ich stand um 6:00 Uhr auf um den Berg im ersten Sonnenlicht fotografieren zu können. Es ist ein tolles Erlebnis den roten Sandsteinberg in den ersten Sonnen- strahlen der Morgensonne zu sehen. Nach dem Frühstück besuchten wir den Deutschen Soldatenfriedhof am Fuß des Berges. Anschließend machten wir uns auf den Weg Richtung Otjiwarongo. Dort konnten wir eine historische Dampf- lokomotive besichtigen, welche von 1912 bis 1984 ihren Dienst auf der Strecke nach Windhoek versah. Anschließend ging es Richtung Grootfontain. Etwas abseits der Straße hat man die Möglichkeit den berühmten Hoba-Meteoriten zu besichtigen. Es handelt sich um einen doch recht ansehnlichen Eisenmeteorit von ca. 3 x 3 Metern. Um genau zu sein handelt es sich um den Größten je gefunden Meteoriten. Er wiegt immerhin 50 Tonnen. Muss man also gesehen haben. Danach ging es zu unserem Tagesziel der Farm Dornenhügel der Familie Bayer. Dort konnten wir einen sehr schönen Sonnenuntergang in der Savanne erleben.

Am nächsten Morgen sind wir um 5:45 Uhr aufgestanden um mit dem Farmer bei Sonnenaufgang eine Rundfahrt über das Farmgelände zu machen. Die Farm Dornenhügel ist 5500 ha (55.000.000 qm) groß, davon sind jedoch nur 80 ha Landwirtschaftlich genutzt. Bei unsrer Rundfahrt waren die Landarbeiter gerade dabei Sonnenblume zu ernten. Der Ertrag von ca 50-60 to. wird als Vogelfutter nach Europa verkauft. Auf dem Rest der Farm wird Viehwirtschaft betrieben. Dort konnte ich meine erste Giraffe in freier Natur sehen. Am Ende der Rundfahrt hatten wir Gelegenheit einen Schwarm Papageien zu beobachten. Anschließend ging es zum Frühstück. Zum Abschied bekamen wir noch eine Tüte mit frisch vom Hofbaum geernteten Zitronen. Von der Farm Dornenhügel führte uns der Weg nach Tsumeb. Tsumeb ist eine bei Geologen und Mineraliensammlern weltweit bekannte Mienenstadt. Hier besuchten wir ein vorzüglich eingerichtetes Privatmuseum mit zahlreichen Ausstellungsstücken aus der Deutschen Zeit. Nebenbei gaben wir noch ein Postpaket der Familie Bayer ab. Anschließend Assen wir im Kaffeestübchen zu Mittag: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat,  in Afrika.

Auf der Weiterfahrt zum Ethosha Nationalpark machten wir am Lake Oshiota, einem von zwei natürlichen Seen in Namibia, halt. Der See hat einen Durchmesser von ca. 100 Metern und eine Tiefe von bis zu 120 Metern. Es handelt sich im übrigen um den größeren der beiden Seen. Hier steht auch noch eine alte Dampfmaschine mit der zur Kolonialzeit Wasser aus dem See gefördert wurde. Im ersten Weltkrieg haben Deutsche Schutztruppler hier einige Kannonen und andere Militär- gegenstände versenkt. Einige sind 1984 von Sporttauchern geborgen worden. Einen Großteil konnten wir im Museum von Tsumeb besichtigen.

Nachdem wir  Abschied  vom See  genommen  hatten  fuhren  wir weiter zu unserem

Tagesziel Etosha Park, genauer Fort Namutomi. Es handelt sich um ein staatliches Rastlager im Etosha Park. Im Zentrum des Lagers steht ein sehr schön restauriertes Deutsches Fort. Die Aussicht von Beobachtungsturm des Forts ist grandios und mit Sicherheit einer der schönsten Anblicke in Afrika. Da wir um 14:30 Uhr im Lager waren und bis zum schließen der Tore bei Sonnenuntergang noch etwas Zeit hatten, fuhren wir nocheinmal zu einigen in der Umgebung. Unser Optimismus wurde belohnt. Wir konnten Giraffen, Kudus, Oryx und Gnus beobachten. Da in der Salzpfanne des Parks etwas Wasser stand waren auch einige Flamingos anwesend. Als Krönung sahen wir an einer Wasserstelle einen Elefantenbullen. Toll !! Abends konnten wir trotz der Lagerbeleuchtung den nun langsam dunkler werdenden Abendhimmel mit unseren mitgebrachten 8x30 und 11x70 Feldstechern beobachtet.

Am Sonntagmorgen stand ich um 5:30 Uhr auf, (Das mache ich sonst nie Sonntags) um das Fort in wirklich schönem Morgenlicht zu fotografieren. Wie nicht anders zu erwarten war herrschte sehr gutes Fotolicht. Nach getaner (Foto) Arbeit und dem anschließenden Frühstück machten wir uns auf den Weg zum zweiten Rastlager im Park. Der Weg führte uns durch die eigentliche Etosha Pfanne. Die Tierwelt hier war wir- klich beeindruckend. Wir konnten Herden mit sicherlich einigen hundert Tieren beobachten. An einem Wasserloch fanden sich hunderte von Perl- hühnern ein um ihren Durst zu stillen. Wir konnten Giraffen, Kudus Springböcke, Antilopen und die sehr schön gezeichneten Oryx beobachten. Nach unserer Mittagspause im Lager Hallalli fuhren wir noch einmal in die Savanne. Hier konnten wir das seltene Erlebnis eines frisch gerissenen Zebrakadavers beobachten. Es hatten sich schon ca 20-30 Geier sowie Schakale eingefunden. Das tote Tier lag ca.50 Meter von der Straße entfernt. Als die sattgefressenen Schakale den Kadaver verließen stürzten sich die Geier wie auf ein Zeichen in wildem Tumult auf die restliche Beute. Ein beeindruckendes Schauspiel ! Auf unserer weiteren Fahrt nach Okaukuejo, dem letzten Lager im Park konnten wir keine weiteren besonderen Beobachtungen mehr machen. Das heißt natürlich nicht das es nichts zu sehen gab. Die Tierfülle war trotz allem beeindruckend. Schließlich wurden wir auf einen, unterer einem Baum liegenden, Löwen aufmerksam. Die Beobachtungsbedingungen waren sehr ungünstig, noch dazu stand der Baum etwas erhöht auf einem Hügel. Am Fuß des Baumes konnten wir noch die Reste eines gerissenen Zebras erkennen. Ich musste mich auf das Autodach stellen um den halb verdeckt schlafenden Löwen zu erkennen. Im Umkreis um den Baum fanden sich verstreut eine Reihe von Zebrakadavern. Offensichtlich war das Tier schon eine Weile Standorttreu. Auf dem Rückweg sind wir durch eine Savanne gefahren die mich unwillkürlich an die Bilder aus dem Film “Jenseits von Afrika” erinnerten. Der Wildbestand reichte vom Fahrzeug bis zum Horizont. Es müssen Tausende gewesen sein. Großartig! Den Sonnenuntergang verbrachte ich auf einem alten deutschen Signalturm in unserem Lager. Er war Teil einer Lichtsignalstrecke welche auch die anderen von uns besuchten Lager einschloss.  Nach Sonnenuntergang konnten wir in einer dunkelen Ecke nach ca. 1 Stunde den mondfreien Himmel genießen. Trotz Aufhellung durch das Lager konnten wir M51 mit Begleitgalaxie im 11x70 und andeutungsweise aber sicher im 8x30 erkennen und das bei ca 20 Grad Horizonthöhe. Omega Centauri war klar und deutlich mit bloßen Auge zu erkennen. Der Kohlensacke zeigte das er seinen Namen zu recht verdiente. Mitten in der Milchstrasse war ein tiefschwarzes und sternloses Loch zu sehen. Nachdem wir noch einige andere Objekte beobachtete hatten gingen wir ins Bett. Am nächsten Tag stand uns eine 410km Fahrt bevor.

Nach einem kurzen Frühstück ginge es Richtung Atlantikküste, genauer nach Kharixas. Unterwegs nahmen wir bei einer deutschen Bäckerei ein zweites Frühstück ein.. Gegen Mittag erreichte wir unser Ziel, das staatl. Rastlager Kharixas. Axel, Andreas und ich sind dann gegen 13:00 Uhr Richtung Twyfelfontain, zu den ca 2000 Jahre alten Buschmann-Steinzeichungen aufgebrochen. Die Fahrt dahin wurde zum Abenteuer. Die Strecke war sehr schlecht mit zahlreichen Wellblechabschnitten (Wellblechartige Bodenwellen auf den Sandpisten) trockenen Flussdurchfahrten und, besonders auf dem letzten Stück, langen Sandfeldern. Eigentlich eine Strecke für einen 4x4 Wagen. Andreas hatte die Sache jedoch gut hingekriegt. Für 100km benötigten wir zweieinhalb Stunden. Die Besichtigung selbst war nur mit einem Führer möglich, da sie durch einen ausgedehnten Hang mit einem entsprechend großen Geröllfeld führte. Es handelt sich dabei um eine Sandsteinmassiv welches im Laufe der Jahre erodierte und die dadurch ursprünglich am Oberhang des Berges angebrachten steinzeitlichen Zeichnungen nach unten stürzen ließen. Bis heute sind etwas 23.000 Teilstücke von größeren Zeichnungen bekannt. Die Rückfahrt wurde zu einem Wettlauf mit der Zeit. Die Sonne ging um 17:30 Uhr unter, spätestens um 18:00 Uhr ist es Stockdunkel, auf derart schlechten Pisten sieht man dann nichts mehr. Also ging die Rallye um 16:00 Uhr los. Wir mussten noch die Parkwächterin und unseren Führer zu Ihrer Unterkunft mitnehmen, da Sie sonst geschätzte 2 Stunden Fußmarsch vor sich hatten. Nach einer heißen Fahrt erreichten wir doch noch um 18:00 Uhr unser Lager. Geschafft. Beim Abendessen lernten wir ein Paar kennen welches mit Ihrem 6 jährigen Sohn seit dreieinhalb Monaten durch das südliche Afrika mit dem Wohnmobil unterwegs waren. Da Sie ebenfalls Swakobmund als nächsten Ziel hatten verabredeten wir uns für Freitagabend in unserem Bungalow. Anschließend gingen wir ins Bett.

An diesem Morgen starteten wir nach einer genauen Terminabsprache Richtung Cape Cross und Swakopmund. Die Fahrt ging über gute Schotterpisten am Brandberg (Namibias höchster Berg) vorbei, über die Minenstadt Uis Richtung Cape Cross am Atlantik. Es war die bisher beeindruckendste Strecke mit einer Sichtweite von teilweise über 100 km. Eine Wüstenlandschaft von grandioser Schönheit. Etwa 1km vor der Küste fuhren wir in eine Nebelwand, welche die gesamte Küste einhüllte. Wir fuhren parallel zur Küste durch den Nebel. Trotz der hohen Luftfeuchtigkeit gab es praktisch keinen Bewuchs. Da der Nebel nicht abregnete entstand eine komische Situation. Die Wüste geht praktisch nahtlos ins Meer über. Dazwischen das Nebelfeld. Cape Cross ist ein im 15.Jahrhundert von den Portugiesen gegründeter Ort mit 6 Häusern und wahrscheinlich ebenso vielen Einwohnern. Eigentlich war es eine Robben und Walfangstation. Noch heute gibt es hier zehntausende von Robben. die sich besonders durch Ihren Geruch nach verfaultem Fisch bemerkbar machen. Die Kolonie ist die größte in ganz Afrika. Am späten Nachmittag sind wir Richtung Swakopmund aufgebrochen. Im Nebel angekommen haben wir im Kaffee Seeblick (viel zur Zeit aus) einen Kaffee und einige Rumkugeln gegessen. Anschließend besserten wir unsere Vorräte im Supermarkt auf und bezogen unseren gemieteten Bungalow. Es war diesmal ein recht großes Haus, sogar mit Garage. Zu Abend gegessen habe wir ausnahmsweise einmal in einem guten Restaurant. Es handelte sich um einen alten auf Land gelegten Kutter, der innen entsprechend ausgebaut war. Sah sehr interessant aus. Das Essen hat übrigens auch gut geschmeckt.

An diesem Morgen hatten wir uns einen Stadtbummel durch Swakopmund vorgenommen. Leider war das Wetter immer noch recht Trüb, zudem mussten wir feststellen das Afrika Day (Feiertag) war, so das lediglich ein paar Supermärkte Vormittags geöffnet hatten. Also haben wir umdisponiert und sind in die Wüste im Hinterland gefahren. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Mondlandschaft. Von einer Anhöhe überblickt man bis zum Horizont eine zerklüftete und vollkommen vegetationslose Landschaft von beeindruckender Schönheit. Außer dem Wind sind keinerlei Geräusche zu hören. Auf dem weiteren Weg zu den Welwitschas, unserem eigentlichen Ziel, mussten wir durch eine Schlucht und nachfolgend durch den zur Zeit trockenen Swakop fahren. Bei unsrer Ankunft am Flussbett standen bereits 2 PKW vor der zugesandeten Durchfahrt. Ein Isländisches Paar hatte sich mit Ihrem Auto im Sandbett festgefahren. Einige Helfer waren dabei die Räder freizugraben und Holzstücke unterzulegen. Wir haben uns der Rettungsaktion angeschlossen und  den Wagen kurze Zeit später auch frei bekommen. Da das Flussbett offensichtlich nur mit 4x4 Fahrzeugen zu durchqueren war beschlossen wir umzukehren. Wir konnten dann noch eine nicht ganz so große Welwitscha am Straßenrand finden. Welwitschas sind endemische d.h. nur hier vorkommende zweiblättrige Pflanzen deren Endlosblätter aus dem Zentrum immer nachwachsen und an Ihren Blattenden wegtrocknen. Mit bis zu 1000 Jahren gehört Sie zu den ältesten Gewächsen der Erde. Da es mittlerweile Mittag geworden war fuhren wir zurück um, bei hoffentlich besserem Wetter, unsere geplante Stadtbesichtigung vorzunehmen. Und in der Tat hatte sich der Nebel verzogen. Axel und ich haben uns auf eine Fotosafari durch Swakopmund begeben um einige schöne Bilder mit nach Hause nehmen zu können. Swakopmund ist ein schönes Städtchen mit palmengesäumten Alleen und einer reichen deutschen Vergangenheit, Insbesondere ist mir aufgefallen das man sich bemüht neu Gebäude in die historische Bausubstanz zu Integrieren. In Windhoek wurden alte Gebäude einfach zwischen modernen Glaspalästen eingeklemmt. Nach einem Besuch des örtlichen Heimatmuseums traten wir den Fußweg zu unsrer Unterkunft an. Dort hatten Karolin und Andreas bereits das Abendessen vorbereitet. Gegen 18:oo Uhr kamen unsere Bekannte aus Khorexas wie verabredet zum Grillen. Bei dem folgenden lebhaften Gespräch mussten wir eine Reihe von Fragen zur Entstehung des Weltraums und der Astronomie im allgemeinen beantworten.

Am Freitag, den 26.05.2000, geht es dem nächsten Ziel, der Astro Gästefarm Okumitundu entgegen. Nachdem alles im Auto verstaut war fuhren wir in die Stadt um einige Einkäufe zu tätigen, Geld zu tauschen und im Café Seebad zu Frühstücken. Nachdem dies erledigt war ging es in die Wüste, Richtung Osten. Nach ereignisloser dreistündiger Fahrt erreichten wir die Farm Okumitundu. Eine äußerst luxuriös ausgestattete Farm. Die Zimmer sind geräumig, geschmackvoll und durchaus auch nach deutschen Standart hochwertig ausgestattet. Die Farm gehört wohl zwei deutschen Eigentümern, die sie hier als Jagt und Astrofarm durch einen Verwalter betreiben lassen. Die Farm liegt ca. 80 km westlich von Windhoek auf einer Höhe von ca 1200m ü NN. Es besteht die Möglichkeit eine mehrstündige Farm- rundfahrt über das 110 qkm große Farmgelände zu unternehmen (empfehl- enswert), oder das angeschlossene Wildgehege mit einem Gepardenbestand zu besichtigen. Seit einigen Jahren verfügt die Farm über ein Celestron 8 auf einer Vixen GP Montierung. Vor kurzem ist noch eine sehr geräumige Schiebedachhütte  hinzugekommen. Die Hütte liegt auf einem ca 1,5 km entfernten Hügel mit guter Rundumsicht. Im Innern sind 2 Betonsäulen zur Aufnahme des C8 sowie eines weiteren eigenen Instrumentes angebracht. Bei unserem Besuch im Mai 2000 mussten wir feststellen das die zuvor bei der Buchung beschriebene Ausrüstung leider nicht in einem betriebsbereiten Zustand war. Das Gerät war in einer Werkstatthalle abgestellt und musste von uns zur Schiebedachhütte gebracht werden. Der Weg zur Hütte führte durch ein trockenes Flussbett sowie einige Sandfelder hinauf zum Beobachtungshügel. Da unser Fahrzeug keinen Allradantrieb hatte, bekamen wir problemlos ein entsprechendes Farmfahrzeug gestellt. Eine Stromversorgung für das Gerät war vor Ort ebenfalls nicht vorhanden. Unter Zuhilfenahme des Farmpersonal wurde aus einem nicht mehr genutzten Fahrzeug eine Autobatterie entnommenen und mittels Starterkabel an das Teleskop angeschlossen. Das C8 zeigte das bei diesen Geräten übliche Spiegelshifting. Die Montierung zeigte nach dem Einscheinern auf den Südpol ein gutes Nachführverhalten. Insgesamt war das Farmpersonal nicht mit den Geräten vertraut und nicht in die Aufstellung eingewiesen. Das farmeigene Fadenkreuzokular war mit leeren Knopfzellen versehen. es war keine Bestandsliste des Inventars vorhanden, die Säulenflansche waren nicht passend zum Säulenadapter der Vixen Montierung angefertigt und die gesamte Zubehörausstattung war ein wenig Praxisfremd. Den Farmverwalter auf die Mängel angesprochen zeigte er sich Interessiert und hatte sich unsere Verbesserungsvorschläge angehört. Ebenfalls sagte er eine Besserung der Zustände zu. Zumindest für engagierte Astrofotografen ist das auf Okomitundu gebotene Equipment nur eingeschränkt zu nutzen . Visuell macht es unter einem fantastischen Himmel sicher Spaß.

Am Abend fuhren wir mit dem farmeigenen 4x4 PickUp zur ca 1,5 km entfernten Beobachtungshütte. Die Sicht war super. Nach dem Dunkelwerden war die Milchstraße von Horizont zu Horizont klar und deutlich zu erkennen. Im Skorpion waren feine Verästelungen diverser Dunkel- wolken zu sehen. Objekte wie 47 Tucane (10 Grad über dem Horizont) kleine / große Magelansche Wolke, Eta Carine, M4, Omega Centauri sprangen einem förmlich ins Auge, Wir fotografierten mit 2 Kleinbildkameras je mit 50mm Objektiv den Milchstraßenbereich vom Kreuz des Südens bis zum Skorpion. Gegen 0:30 Uhr ging der Mond auf und wir brachen die Beobachtung ab.

Nach dem Aufstehen und Frühstück machten wir eine empfehlenswerte Farmrundfahrt. Auf dem Farmgelände finden sich einige durchaus sehenswerte Gesteinsformationen, die wie von Riesen zusammengekehrte Geröllhaufen aussehen. Insgesamt eine durch unseren nur englisch sprechenden Führer interessant gestaltete Rundfahrt. Nach dem Mittagessen gönnten wir uns eine Mittagsruhe um auf den kommenden Abend vorbereitet zu sein. Nach Einbruch der Dämmerung sind wir wieder zum Beobachtungsplatz gefahren und haben noch einige Weitwinkelaufnahmen der Milchstraße angefertigt. Gegen 1:00 Uhr war die Temperatur unter den Gefrierpunkt gefallen. Mit dem aufgehenden Mond beendeten wir unsere Beobachtungstätigkeit auf Okumitundu. Am Sonntag, inzwischen war der 28.05. angebrochen, standen wir um 8:30 Uhr auf um uns für die anstrengende fünf stündige Fahrt zur nächsten Astrofarm vorzubereiten. Nachdem wir nunmehr kurz vor unserer Abreise unsere Wäsche vom Waschen zurückbekommen hatten konnten wir packen um gegen 10:00 Uhr auf den Weg zur Farm Tivoli zu kommen. Im Auto besprachen wir die zurückliegenden Tage auf Okumitundu und kamen  zum Schluss das hier das Preis-Leistungsverhältnis in einem Missverhältnis zueinander standen. Die Zimmer waren luxuriös, mit 95,00 Euro je Person und Nacht aber auch die teuerste Unterkunft unserer Reise. Karges Frühstück, mäßiges Mittagessen und zum Abendessen Grillfleisch, was Lecker war jedoch mit Maggi Tütensuppen wieder an Qualität verlor. Keine Verabschiedung bei unserer Abreise sowie ein unvollständiges Teleskop verstärkten den flauen Eindruck. OK es geht weiter.

Auf dem Weg nach Tivoli sind wir wieder auf dem Schnitzermarkt in Okahanja vorbeigekommen. Ich habe einige Andenken für die Daheimgebliebenen erstanden.  Weiter ging es über Windhoek Richtung Süden an den Rand der Kalahari. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir die Farm und quartierten uns kurzfristig ein. Die Farmerfamilie Schreiber empfing uns äußerst freundlich und war sehr hilfsbereit. Nachdem wir das Gepäck untergebracht hatten inspizierten wir sofort das farmeigene C11 auf Atlux Montierung, Eigentlich eine sehr gute Kombination, wie sich jedoch herausstellte war das Gerät schon zu oft von ungeübten Händen auf und abgebaut worden. Herr Schreiber sagt uns das die Montierung einem Gast auch schon einmal runtergefallen sei. Nun gut wir haben versucht das Beste draus zu machen: Nach dem Abendessen, es gab Lasagne auf afrikanische Art, begannen wir die Montierung neu einzusüden. Dank  Axels Erfahrung gelang das auch recht schnell. Wir konnten dann noch eine Reihe von Aufnahmen mit 1,7 Meter Brennweite im östlichen Teil des Himmels machen, dort lief die Montierung eigentlich recht gut. Es wurde gegen  Mitternacht noch einmal recht Kühl  (-2Grad) so das wir uns gegen 2:00 Uhr in unser Bett verzogen.

Die Farm Tivoli liegt ca. 100 km südlich von Windhoek am Rand der Kalahari Wüste. Sie ist 75 qkm groß und wird hauptsächlich mit der Karakulzucht (Persianerschafe) bewirtschaftet. Die jetzige Generation der Schreibers hat die Farm 1997 nach 10-jahrigen Deutschlandaufenthalt übernommen. Der heutige Farmer Rheinhold Schreiber ist 33 Jahre alt und führt die Farm mit seiner Frau und seinen 2 Kindern 4 und 1,5 Jahre alt. Die ersten Amateuastronomen Norbert Sommer und Bernd Koch kamen 1986 auf die Farm. Seither wird die Farm als reine Astrogästefarm geführt. Es steht ein Celestron C11 auf Vixen Atlux Montierung zur Verfügung. Das Gerät befindet sich in einem stark gebrauchten Zustand, es zeigt ordentliches Schifting des Hauptspiegels und ist dejustiert. Die Montierung zeigt ein deutliches Lagerspiel bei Westlage der Optik. Zur Zeit befindet sich das Gerät noch auf einer Betonsäule im Bereich der Farmhäuser. Eine Schiebedachhütte ist jedoch bereits fertiggestellt und bezugsfertig. Inzwischen dürfte das Gerät umgezogen sein. Bei unseren Gesprächen mit dem Farmer zeigte er sich interessiert und gewillt die Mängel am C11 abzustellen. Bei der Geräteübergabe gingen wir die Zubehörliste gemeinsam durch , sie war vollständig und gut zusammengestellt. Die Unterstützung der Familie Schreiber in Sachen Strom und Nachtmahlzeit war vorbildlich . Man merkt das die Farm auf Astrofotografen eingestellt ist.

Nach einem späten Frühstück machten wir einen Ausflug in die Kalahari Wüste. Ich hatte mir von Frau Schreiber einige Gläschen (früher war da Babynahrung drin) geben

lassen um ein Probe Sand mit nachhause nehmen zu können. Man glaubt es nicht aber, der Sand ist wirklich knallrot. Durch die Regenfälle vor kurzem sind die Dünen stark mit Gras bewachsen, so dass lediglich am Dünenkamm der Sand in Reinform auftritt. Nach dem kurzen Ausflug sind wir wieder zum Farmgelände zurückgefahren und haben uns unserem Mittagsschlaf gewidmet. Gegen 17:30 Uhr beginnt die Dämmerung und bereits 1 Stunde später ist es richtig Dunkel. Nach dem Abendessen, es gab Rheinischen Sauerbraten mit Springbockfleisch  und Kalaharitrüffeln (Pilze); begannen wir unverzüglich mit unseren Beobachtungsvorbereitungen. Wir hatten ein strammes Programm mit 5 Aufnahmen a 1 Stunde und weiteren Aufnahmen mit div. Teleobjektiven. Heute war es nicht so kalt wie die Tage zuvor. das Seeing war ebenfalls besser. Nachdem wir uns mit der Montierung angefreundet hatten kamen wir ganz gut klar. Insgesamt lief die Nacht ganz gut. Um 2:00 Uhr hatten wir unser Programm abgearbeitet, so dass wir einpacken konnten. Zwischen meinen Nachführeinsätzen konnte ich bei einem 50 Meter weiter stehenden 20” Lomo Dobson mitbeobachten. Ein wirklich schönes Gerät Eta Carine kommt wie auf einem Foto, nur in Schwarz Weiß. Dafür hat man das Live-Erlebnis.

Nach zwei Tagen auf Tivoli stand die nächste Etappe zur Farm Hakos an. Nach einem frühen Frühstück um 8:00 Uhr und einem herzliche Abschied von der Familie Schreiber ging es Richtung Gamsberg. Wir kamen gut voran, da die Schotterstraßen in einem besseren Zustand waren als erwartet. Wir hatten noch einige Postkarten von anderen Farngästen zum Transport zu einem Briefkasten mitgenommen. In der nächsten Stadt, Rehoboth, hielten wir um unsere Benzinvorräte aufzufüllen. An der Zapfsäule stand ein älterer Mann, der, als er hörte das wir aus Deutschland kamen, mir sofort in gebrochenem Deutsch erzählen musste der er jahrelang bei einem deutschen Farmer gearbeitet hatte. Das einzige was er über Deutschland zu wissen schien, war des es “immer” schneit und kalt ist. Ich nutzte die Gelegenheit Ihn nach dem Weg zu Post zu fragen, was er auch bereitwillig tat. Wir sind dann auch so gefahren, bloß die Post haben wir nicht gefunden. Uns kam dann der Verdacht das seine Deutschkenntnisse wohl nicht so gut waren das er rechts und links auseinander halten konnte. Wir haben die Post schließlich dann am anderen Ende des Ortes gefunden und unseren Auftrag erfüllt. Es ging weiter durch die Wüste. langsam kamen wir wieder in bergigere Regionen. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir den Gamsbergpaß auf ca 2000 Meter Höhe. Die Farm Hakos befindet sich in wirklich exponierter Lage auf einem Höhenzug

in Sichtweite des Gamsberges. Die Aussicht ist phantastisch, man hat eine Fernsicht bis in die Wüste Namib, sie ist praktisch nur durch die Erdkrümmung begrenzt. Farm ist eigentlich der falsche Ausdruck, es handelt sich um einen Burgartigen Bau auf einer Bergspitze unmittelbar an einem Steilhang gelegen. In westlicher Richtung befindet sich ein großer Wintergarten mit einem Pool. Von hier aus kann man den zuvor schon gelobten Ausblick in die Namib geniessen. Die Familie Straube führt das Haus. Man gewinnt allerdings den Eindruck das die Zeit hier in den 50er-Jahren stehen geblieben ist. Selbiges trifft auch auf die astronomische Ausrüstung zu. Freunde historischer Geräte finden hier reiches Anschauungsmaterial. In einer neu errichteten und gut durchdachten Schiebedachhütte auf dem höchsten Punkt des Gebäudes befindet sich eine alte Zeiss Montierung aus den ehemaligen Max Planck Institutsbeständen auf dem Gamsbergplateau. Ebenfalls findet sich ein alter Messingrefraktor aus dem Hause Zeiss sowie ein älteres C8 in schlechtem Zustand. Eine Zubehörausstattung ist nicht vorhanden. Die Montierung ist für fotografische und anspruchsvolle visuelle Beobachtung nicht einsatzbereit. Ein Deklinationsmotor ist nicht vorhanden und die Rektaszensionsachse lässt keine Feinkorrektur zu. Neben der Schiebe- dachhütte befindet sich ein offener Beo- bachtungsplatz mit 2(3) Säulen für eigene Instrumente. Üblicherweise wird von den Gästen hiervon auch gebrauch gemacht. Enttäuscht von dem vorgefundenen Material beschlossen wir eine astrofreie Nacht einzulegen und am nächsten Morgen weiter zu fahren. Am Abend hatten wir Herrn Straube mit unseren Absichten konfrontiert, er schien es gefasst aufzunehmen. Er hat uns dann erzählt wie seine Zeit auf dem Gamsberg war. Er hatte hier für das MPI Heidelberg Fahrten und Montagearbeiten ausgeführt. Nach dem Abendessen bin ich nochmals auf die Beobachtungsplattform gegangen und habe mich mit einem anderen Gast unterhalten. Er hatte einen Vixen R200S mit ST8E und CFW8 mitgebracht und machte RGB Farbaufnahmen von Eta Carine. Gegen 22:00 Uhr bin ich ins Bett gegangen.

Am nächsten Morgen sind wir über den Gamsbergpaß Richtung Walfishbay aufgebrochen. Auf der Strecke bietet sich einem ein grandioser Anblick der zerklüfteten Bergwelt der Hakosberge. Später kommt man durch hügelige und karge nur mit Steppengras bewachsene Gebiet des Kuiseb Canyon. Eine tolle Landschaft mit einer riesigen Aussicht. Von dort durchquerten wir den Naukluf Naturparc bis ins Komas Hochland. Hier lag unser nächstes Ziel die Farm Niedersachsen. Da wir Hakos

einen Tag früher als geplant verlassen haben kamen wir unangemeldet zum Mittagessen. Demzufolge wurde es auch ein wenig knapp mit den Rationen. Die Gastfamilie Ahlert hatte für die nächsten Tage eine Fahrt zu Hochzeitsfeierlichkeiten geplant. Wir mussten also die nächsten Tage ohne die persönliche Betreuung der Ahlerts auskommen. Andreas, Axel und Karolin waren jedoch schon so oft hier, dass Sie beauftragt wurden den Laden in Gang zu halten. Für den selbigen Nachmittag wurde noch eine 3-4 Stündige Farmrundfahrt angesetzt. Auf der ca. 170 qkm großen Farm befindet sich die Wohnstätte zweier Geologen die im zweiten Weltkrieg vor der Internierung in die Wüste geflohen und hier zweieinhalb Jahre lebten. Die Geschichte der beiden wurde später von einem der beteiligen, Dr. Henno Martin, niedergeschrieben und in Buchform veröffentlicht. Nach der Rückkehr von der sehr interessanten Fahrt, es war bereits dunkel geworden, gab es Abendessen. Anschließend fuhren wir mit dem farmeigenen 4x4 auf die ca. 300 Meter auf einem Nachbarhügel gelegene Sternwarte. Wir montierten die inzwischen von Sonja Encke gelieferte Vixen SP Montierung und bestückten Sie mit einem Leitrohr und einem 180mm Tele. Dann wurden die ersten Fotos gemacht. um 2:00 Uhr ging es ins Bett.

Um 8:00 Uhr sind wir wieder aufgestanden, zu früh wie meine Mitreisenden meinten. Beim Frühstück erfuhren wir das die Farm am Tag zuvor von 4 Ovambo mit einer Pistole bewaffnet, überfallen und ausgeraubt worden war. Dabei wurde auch die Telefonverbindung gekappt. Als Gäste zum Frühstück erschienen flohen die Räuber. Über Funk wurden die Nachbarfarmen verständigt, die dortigen Farmer versperrten sofort alle Seitenstraßen (so viele gibt es hier nicht) so das die Täter schnell gefasst werden konnten. Nach dieser aufregenden Mitteilung setzten wir uns auf die Aussichtsterrasse und planten das Beobachtungsprogramm für die folgende Nacht. Nach Abschluss der Planung habe ich von der ca. 50 Meter über dem kleinen Stausee gelegenen Terrasse den Farmarbeitern zugesehen. Ein Resümee kann ich aus meinen bisherigen Farmaufenthalten ziehen. Die Arbeit wurde hier nicht erfunden, das Leben ist sehr geruhsam. Das gilt für Farmer und Arbeiter. Bei einem Stundenlohn von ca 0,30 Euro und freier Wohnung sowie freiem Wildfleisch und einer Gartenparzelle ist naturgemäß genug billige Arbeitskraft vorhanden., so das sich der Farmer die Arbeit durch Personal abnehmen lässt. Die Häuser (Hütten), die in der Regel vom Farmer gestellt werden, haben alle einen einheitlichen Grundriss und sind ca 5x5Meter groß. Was mich wundert ist das die Möglichkeit Gemüse anzubauen von den Arbeitern kaum genutzt wird. Die meisten Parzellen liegen brach. Abends haben wir noch einigen Fotos auf der Sternwarte gemacht. Wir sind dann früher als sonst ins Bett gegangen, da am nächsten Tag die Rückfahrt nach Windhoek anstand.

Die auf einem Hügel gut gelegene Beobachtungsplattform der Farm Niedersachen hat einem Durchmesser von ca. 10 Metern und ist mit einem Windschutzmauer umgeben. In der Mitte befindet sich ein Celestron 8 auf einer soliden Betonsäule mit Vixen SP Montierung. Das Gerät ist gut eingesüdet und von ansprechender Qualität. Neben der Beobachtungs- Plattform befindet sich ein Ruheraum mit einigen Matratzen und Sitzmöbeln. Die Zubehörausstattung des Teleskops ist etwas eingeschränkt, dennoch konnten wir durch mitgebrachte Teile einige ansprechende Bilder machen.

Am Samstag den 03.06. sind wir gegen 8:00 Uhr Windhoek-Zeit zum Frühstück gegangen, um anschließend unsere Rückreise anzutreten. Die Farm Niedersachen verfügt, gemäß Verfügung des Farmers über eine eigene Zeitzone (Sommerzeit). Dadurch wird die Arbeitszeit Abends länger ausgenutzt. Nach dem Frühstück haben wir das Auto gepackt und uns um 10:00 Uhr planmäßig auf den Weg gemacht. Wie erwartet war die Schotterpiste schlecht und wir kamen nur langsam voran. Zudem mussten wir den, auf das 2000 Meter hoch gelegene Windhoekplateau führende Us Pass überqueren. Da wir keinen 4x4 Wagen hatten ging es entsprechend schleppend die über 20% Steigung hoch. Oben angekommen ging die Fahrt nach Windhoek dann zügiger voran. Pünktlich zum Kaffee haben wir die 155km bis zur Cuno Hoffmeister Gedächtnis Sternwarte hinter uns gelassen. 6 Stunden Fahrzeit für 155 km ! Dort liefen auch schon die Vorbereitungen für den von Axel zu haltenden Vortrag über Kleinplanetenvermessung. Zum eigentlichen Vortrag kamen ca 20 Mitglieder der wissenschaftlichen Gesellschaft Namibias. das sind 20%. Währen des Vortrages viel mir auf das die hauchdünne Mondsichel des nur wenige Stunden Alten Mondes zu sehen war. In bin dann mehrfach durch den laufenden Vortrag gelaufen (peinlich) um meine Kameras zusammen zu suchen und in die über dem Vortragsraum liegende Sternwarte zu bekommen. Dort konnte ich dann, leider ohne Teleskop und Stativ, den Horizontnahen Mond mit Merkur zusammen aufnehmen. Das war gegen 17:30 Uhr. eine so junge Mondsichel hatte ich noch nie gesehen (17 Stunden). Nach dem Vortrag haben wir dann für die Besucher noch gemeinsam eine kleine Himmelsführung auf der Beobachtungsplattform gegeben. Nachdem die letzten Gäste gegangen waren bin ich recht müde ins Bett gegangen. Axel und Andreas wollten am C14 noch einige Aufnahmen machen. Diese Nacht konnte ich zum ersten mal wieder in einem Einzelzimmer der Sternwarte schlafen. Um 8:00 Uhr bin ich aufgewacht. Beim Frühstück musste ich erfahren das es mit der Sideres 85 Montierung wohl Nachführprobleme gab. Also beschlossen Andreas und ich der Sache auf den Grund zu gehen. nach Durchspielen der Defektmöglichkeiten entschlossen wir uns die Rektaszensionsschnecke gegen die Deklinationsschnecke zu tauschen. Bei der Demontage mussten wir feststellen das die Lager der Schnecke total ausgeschlagen waren. Ein Wunder dass das Gerät überhaupt noch so gut lief. Es stand also fest, die Lager müssen ausgetauscht werden. Wir reinigten die Montierung, bauten Sie wieder zusammen und versuchten die Justierung so gut wie möglich hinzukriegen. Beim nächsten Besuch eines Amateurastronomen aus Deutschland sollten die neuen Lager dann mitgebracht werden. Ungeduldig warteten wir den Abend ab um die erfolge unserer Maßnahme zu prüfen. Und siehe da die Montierung lief deutlich besser. Erstaunlich. Ich hatte die Möglichkeit noch einige Bilder aufzunehmen.

Für den heutigen Montag war Stadt- bummel in Windhoek angesagt. Andreas,  Karolin und Axel wollten zu einem Weisenheim fahren, wo es Stickarbeiten zu kaufen gab. Ich hingegen wollte mir noch einmal Windhoek anschauen und vielleicht einige Souvenirs kaufen. ich wurde dann in der Stadt abgesetzt. Wir vereinbarten für 14:00 Uhr einen Treffpunkt. Da Windhoeks Innenstadt recht übersichtlich ist fand ich mich schnell zurecht. Im Gegensatz zu den letzten drei Wochen kann man schon deutlich merken das Windhoek eine Hauptstadt ist. Sowohl von der Bausubstanz, als auch von der Lebensqualität und dem Wohlstand ist ein krasser Unterschied um Rest des Landes zu erkennen.. Das Niveau bewegt sich eigentlich auf dem einer Nordeuropäischen Hauptstadt. Die Stadt ist sehr sauber und gepflegt. In den (bewässerten) Parks wird jeden Tag der Rasen gemäht, auch wenn er gar nicht gewachsen ist. Die meisten farbigen Angestellten und Geschäftsleute laufen sehr gut gekleidet herum. Man merkt das Sie wert darauf legen als zugehörige der Mittelschicht erkannt zu werden. Überall gibt es Sicherheitsleute, Sie stehen in jedem Geschäft und patrolieren in der Fußgängerzone. Offensichtlich ist das Sicherheitsbedürfnis sehr groß. Die meisten Geschäft werden von deutschstämmigen und deutschsprachigen Leuten geführt. Neben der Hauptsprache Englisch kommt man mit Deutsch fast überall weiter. Interessant ist wenn man Farmerfamilien mit Ihren verdreckten 4x4 Fahrzeugen auf Stadturlaub sieht. Sie bilden einem eben so starken Kontrast zum Stadtleben wie ein Banker in der Savanne. Nachdem wir uns im Café Cental wieder getroffen hatte, bestellten wir unser Mittagessen. Ich habe Hunterschnitzel (Jägerschnitzel) gegessen. Insgesamt war die zweisprachige Karte mit hauptsächlich deutschen Gerichten auf afrikanische Art versehen. es gab auch Eisbein mit Sauerkraut und Semmelknödel. Nach dieser Stärkung ging es wieder zu unserem Ausgangslager auf der Sternwarte.  Abends hatten wir beschlossen unsere Gastgeberin in das beste Restaurant am Platz einzuladen. das haben wir dann auch getan. Hier hatte ich die Gelegenheit einige exotische Spezialitäten zu probieren. Ich hatte: Süßkartoffelsuppe mit Kerbel, Capaccio von Strauß mit Pilzvinegrette, Krokodilsteak mit Mango Curry Chutney und einen Rumtopf mit Eis. Das Straußenfleisch war sehr zart und lecker. Vom Krokodil hatte ich mir etwas mehr Eigengeschmack erwartet. Eigentlich war es mehr Neutral und hatte die Konsistenz zwischen Fisch und Huhn war aber insgesamt nicht schlecht. Für einen Lacherfolg der Bedienung sorgte das ““Season Special” Glühwein, dazu lief die Melodie “leise rieselt der Schnee”. Hier ist Winter. Abends wollten Axel und ich noch einige letzte Aufnahmen mit dem C14 machen. Irgendwie konnte ich aber keinen Leitstern mehr halten, musste wohl an den paar Bierchen und dem Rumtopf liegen. Wir sind dann letztendlich um 1:00 Uhr ins Bett gegangen, gegen 4:00 Uhr mussten wir schließlich wieder aufstehen, da unser Flug um 7:00 Uhr ab Windhoek geht. Wie erwartet viel es allen schwer nach kurzer Nachtruhe aufzustehen um sich auf den Weg Richtung Flughafen zu machen.  Hinter mir liegt ein interessanter und erlebnisreicher Aufenthalt in Namibia der mit so vielen  Eindrücken gespickt war, dass ich davon sicherlich noch lange zehren kann. Und, es bleibt sicherlich nicht der letzte Besuch in Namibia.

       

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